Von der Alb ins Alpen-Abenteuer
Luis Schneider und Peter Weiger übernehmen als neue Pächter die Siegerlandhütte bei Sölden
Autorin: Katja Weiger-Schick
Papier über Papier auf dem heimischen Schreibtisch. Dazwischen eine Lieferung an Vesperbrettchen und ein Angebot des Großhändlers. Luis Schneider und Peter Weiger stecken mitten in den Vorbereitungen für ein großes Abenteuer: Seit kurzem sind sie neue Pächter der Siegerlandhütte bei Sölden.
Aktuell leben Peter und Luis in Nusplingen auf der Zollernalb. Vom Bäratal, geprägt durch seine weißen Jurafelsen und die tiefgrünen Wälder, werden sie im Frühsommer aufbrechen ins ferne Ötztal – von der Alb in die Alpen. Dafür haben die beiden 20-Jährigen eigens ein Unternehmen gegründet. Erfahrung für die Tätigkeit am Berg bringen die beiden genügend mit. Denn für Peter und Luis, die zu den jüngsten Pächtern im Alpenraum gehören, ist es nicht der erste Hüttenaufenthalt. Beide haben im vergangenen Jahr auf der Neuen Reichenbergerhütte in Osttirol gearbeitet, als so genannte „Hütten-Allrounder“. Luis war sogar in der Doku-Serie des Bayrischen Rundfunks „Bergmenschen“ zu sehen.
Hefezopf und Gästetouren: Der Allrounder macht’s
Hütten-Allrounder, berichten beide vergnügt, springen im Betrieb da ein, wo es klemmt. Sie putzen durch, machen Betten, kochen Spaghetti oder backen Hefezopf. Sie beraten, wenn die Gäste eine Tour machen wollen. Sie sind behilflich, wenn die Schuhe der Gäste nass sind oder die Wanderer zwei, drei Kleidungsstücke waschen müssen. Beiden hat die gemeinsame Arbeit so viel Freude bereitet, dass nach der Saison im September feststand: Das machen wir wieder. Dieses Mal aber in Eigenregie.
Gesagt, getan. Wer beim Deutschen Alpenverein eine Hütte pachten will, durchläuft einen Bewerbungsprozess. Auch Luis und Peter. „Der Draht zu unserer Pacht-Sektion, der DAV-Sektion Siegerland, war sofort da“, erzählt Luis begeistert, „als würde man sich schon ewig kennen.“ Unendlich dankbar sind die beiden, dass man sie mit offenen Armen empfangen hat.
In Nusplingen glühen derzeit die Drähte heiß. Das Telefon klingelt unablässig. Die Sektion braucht zwei Auskünfte. Ein Radio-Redakteur hätte gern ein Interview, am liebsten sofort. Außerdem müssen die Texte für die neue Website fertig werden und die T-Shirts fürs Team in die Bestellung. Dazwischen gehen etliche neue Buchungen für den Sommer ein. Ein Vorstellungsgespräch mit einer weiteren potenziellen Mitarbeiterin steht ebenfalls an. Während Peter mit Smartphone und Festnetz-Telefon jongliert, schaut Luis nach Spax, dem zuckersüßen Golden-Retriever-Welpen. Der Hüttenhund in spe muss mal raus. Auch das muss sein.
Was bringt zwei 20-jährige junge Herren dazu, den Sommer als Hüttenpächter in den Bergen zuzubringen? Ohne feste, regelmäßige Anbindung an die Außenwelt? Peter und Luis, das geben sie grinsend zu, sind nicht unbedingt als ausgiebige Partytiger und Nachteulen bekannt. Beide sind viel lieber draußen unterwegs, egal ob beim Klettern im Donautal, beim Joggen oder beim Mountainbiken. Ihr zweites Zuhause: das „Roccadion“, die bekannte Kletter- und Boulderhalle in Böblingen. Dort gehören die zwei Jungs zum Inventar: Luis als Chefschrauber und Routenplaner, Peter als Social-Media-Experte.
Tempo raus: Man braucht so wenig, um glücklich zu sein
Was sie am Leben in den Bergen am meisten beeindruckt? „Die Ruhe“, sagt Luis. Auf so einer Hütte, erzählt der Ehninger, gebe es zwar immer Arbeit zuhauf: „Dennoch nimmt man Tempo raus – weil es viel weniger Ablenkungen gibt als im normalen Alltag.“ Peter stimmt zu: Die beiden haben die Aufgabenbereiche aufgeteilt. Peter kümmert sich um den kulinarischen und den gastronomischen Part, Luis um logistische Fragen und den technischen Bereich. Größte Herausforderung: Die imposante Siegerlandhütte mit ihrem charakteristischen Erkerturm liegt auf 2710 Metern mitten in einer Felsformation in den Stubaier Alpen. Sie ist zu Fuß in etwa drei Stunden erreichbar. Alle Lebensmittel werden mit dem Helikopter angeliefert. Spannend: das vielfältige Veranstaltungsprogramm. Am Samstag, 4. Juli, ist auf der Hütte das EOFT-Programm von 2025 zu sehen. Dahinter verbirgt sich die „European Outdoor Film-Tour“, Europas führendes Festival an Outdoor-, Abenteuer-und Dokumentarfilmen.
Die Jungs feilen seit einiger Zeit an ihrem gastronomischen Konzept, belegen Kurse, bilden sich weiter. Das Herzstück ihrer Arbeit: die Speisekarte mit ehrlicher, frischer Küche und vielen regionalen Produkten. Alpine Klassiker wie Kaspressknödel in einer kräftigen Brühe oder Apfelstrudel mit Vanilleeis und Sahne treffen da auf Linsen-Dal und exotisch-würzige Currys. Beide Pächter sind viel herumgekommen – Peter als ausgebildeter Flugbegleiter, Luis als leidenschaftlicher Leistungskletterer. Die Naturfreunde wissen: Auch in der Fremde kann man sich daheim fühlen, wenn der Rahmen passt. Deshalb haben sich die jungen Pächter um verschiedene Siegel und Zertifikate beworben. Erhalten haben sie bereits „Mit Kindern auf Hütten“ und „So schmecken die Berge“. Weitere Siegel, zum Beispiel Bio, sind noch in Arbeit. Man darf also gespannt sein.
Weitere Infos: www.siegerlandhuette.at | info@siegerlandhuette.de




