Mode spendet Hoffnung
Secontique und Nähwerkstatt in Albstadt
Autorin: Sabine Volkert
Die Secontique in der Ebinger Sonnenstraße ist ein soziales Projekt der Caritas Schwarzwald-Alb-Donau. Ziel ist die sinnvolle Verbindung von Nachhaltigkeit mit sozialer Verantwortung. Das Angebot reicht von gebrauchter, aber modischer Kleidung, Schuhen und Accessoires über Neuware aus Überhängen bis zu liebevoll gestalteten Nähprojekten aus der dazugehörigen Nähwerkstatt. Diese findet man am Ziegelplatz neben der Ebinger Tafel. Hier werden auch die Kleiderspenden sortiert, gelagert und die Nähkreationen umgesetzt. Projektleiterin Bettina Dreher hat dort ebenfalls ihr Büro. „Fläche gibt es immer zu wenig“ – und so stapeln sich Kisten mit Unikaten, aussortierten Lieblingsstücken, alten Hochzeitsanzügen, Markenschuhen und Vintage Kleidung. „Wir hören uns jede Geschichte zu den Sachen an“ berichtet Frau Dreher. Denn wer ein liebgewonnenes (Erb-)Stück abgibt, kann oft einiges dazu erzählen.
Fast Fashion Marken werden im Übrigen nicht angenommen, schon allein deshalb nicht, weil dies nicht zum Nachhaltigkeitsgedanke des Projektes passt. In der Nähwerkstatt werden unter dem Label BuntGut Stoff- und Materialspenden weiterverarbeitet. Aus alten Herrenanzügen entstehen beispielsweise Umhängetaschen, aus gebrauchten Jeans eine Festivaltasche samt passendem Bucket-Hat. Außerdem Körbchen, Tischdecken, Servietten, Leseknochen, Snackbeutel aus selbst hergestellten Bienenwachstüchern und vieles mehr. Auf Wunsch können Unternehmen auch nachhaltige Accessoires aus alten Bannern anfertigen lassen, was bereits für die Stadt Albstadt und das Atelier Türke umgesetzt wurde. Der HBW habe bei ihnen auch schon alte Trikots weiterverwerten lassen, berichtet Frau Dreher. Für Privatpersonen können auf Anfrage ebenfalls besondere Näharbeiten hergestellt werden, wie zum Beispiel ein Kissen aus der Lieblingsjacke eines verstorbenen Angehörigen.
Nun benötigt man für eine gut funktionierende Werkstatt noch zwei besonders wichtige Dinge: Mitarbeitende und Material. In Zusammenarbeit mit dem Jobcenter können mehrere Langzeitarbeitslose im Rahmen einer Maßnahme in der Nähwerkstatt mitarbeiten. Neben einem geregelten Tagesablauf können beispielsweise Nähkenntnisse vertieft oder Erfahrungen im Verkauf in der Secontique erworben werden. Der Einsatz erfolgt je nach Interessen und Kenntnissen. Gerade geübte NäherInnen konnten sich im Anschluss schon erfolgreich um eine Arbeitsstelle bei Trigema bewerben. Ansonsten helfen einige Ehrenamtliche mit – es dürften aber gerne noch mehr sein! Die Ausstattung mit Nähmaschinen erfolgte ausschließlich aus Spenden, ebenso Stoffe, Reißverschlüsse und Garn. „Sie glauben gar nicht was die Leute in Albstadt teilweise noch im Keller haben.“ erklärt mir Frau Dreher. Die Spenden können während der Öffnungszeiten in der Nähwerkstatt abgegeben werden. Angenommen werden gewaschene und sauber Damen- und Herrenkleidung, neuwertige Bettwäsche und Handtücher und nur sehr gut erhaltene Schuhe. Nachdem diese durchgesehen und vorsortiert wurden, kommen die Sachen zum Verkauf in die Secontique in der Sonnenstraße 33.
Diese wurde Ende 2018 von der Caritas gemeinsam mit der Aktion Hoffnung Rottenburg-Stuttgart eröffnet. Hier wird modische und hochwertige Second-Hand-Bekleidung neben Upcycling-Produkten von BuntGut verkauft. Wie der Name bereits erahnen lässt, soll das Erscheinungsbild eher an eine Boutique und nicht an das Klischee eines vollgestellten Second-Hand-Ladens erinnern.
Jede Kleidergröße von XS bis zu Großen Größen ist vertreten. Von saisonaler Kleidung für schickere Anlässe, sowie Freizeitkleidung bis hin zu Outdoorklamotten ist alles dabei. Außerdem gibt es eine liebevoll eingerichtete Vintage Ecke. Frau Dreher und ich stoßen hier bei der Suche nach besonderen „Schätzle“ auf Cowboystiefel und eine bestickte Ledertasche aus Marokko.
In der Secontique ist jede/r als Kunde/in willkommen und darf hier shoppen. Mit dem Tafelausweis erhält man nochmals 50% Rabatt auf die sowieso schon günstige Ware. Da nicht gewinnorientiert gewirtschaftet werden muss, sind die Preise niedrig angesetzt. Eine Jeans erhält man beispielsweise für 5 bis 8 EUR. Ganz exklusive Stücke wie Jacken von Burberry oder Armani sind auch mal im unteren dreistelligen Bereich ausgezeichnet, denn die Ware soll trotzdem noch einen Wert haben. Etwa 80 bis 100 Kund/innen schauen hier pro Tag vorbei und es kommt ungefähr zu 50 bis 60 Verkäufen. Geschätzt ein Drittel der Kundschaft kommt mit dem Tafelausweis. Viele Einkäufer/innen kommen, um preisgünstig einzukaufen und/oder weil sie Wert auf Nachhaltigkeit oder besondere Einzelstücke legen. Die Vintage Kleidung ist zum Beispiel bei den 20- bis 26-Jährigen derzeit besonders beliebt. Im Übrigen gibt es Rabatte für Schüler/innen und Studierende. Frau Dreher weist außerdem auf ein besonderes Angebot für Schnäppchenjäger/innen hin: Immer dienstags gibt es einen Pop-up Store in der Bühlstraße gegenüber der Nähwerkstatt. Durch den Abverkauf soll Platz für die nächste Saisonware geschaffen werden. „Da sind die Artikel dann nochmals deutlich reduziert und man kann Jacken bereits ab 2-3 EUR und T-Shirts für 1 EUR erwerben.“
Wer nun Lust auf einen Shoppingausflug hat, gut erhaltene Sach- oder Kleiderspenden abgeben möchte oder sich gerne ehrenamtlich engagieren will ist herzlich Willkommen in der Secontique oder der Nähwerkstatt vorbeizuschauen.
INSTAGRAM: @secontique
ÖFFNUNGSZEITEN
Secontique, Sonnenstraße 33
Montag bis Freitag: 10 – 18 Uhr | Samstag: 10 – 14 Uhr
Nähwerkstatt, Bühlstraße 11
Montag bis Donnerstag: 8 – 15 Uhr | Freitag: 8 – 12 Uhr
Projektkoordinatorin: Bettina Dreher
Tel.: +49(0)7431 1347084 | dreher.b@caritas-dicvrs.de
Nachhaltigkeitsprojekt BuntGut (mit Onlineshop):
www.buntgut.de





