Mit Peterle und Paulchen über die Schwäbische Alb
Das Glück der Erde liegt nicht nur auf dem sprichwörtlichen Rücken der Pferde. Auch die kleineren grauen Verwandten sind echte Glücksboten. Die beiden Albesel Peterle und Paulchen leben idyllisch am Ortsrand von Hossingen bei Familie Hetz. Haus und Stall liegen versteckt zwischen Bäumen, wunderhübsch dekoriert in einer ruhigen und entspannten Atmosphäre. Neben den Familienmitgliedern wohnen dort auch einige Hühner, zwei Galloway-Rinder, Kater Felix und eben Peterle und Paulchen. Ob die beiden für die ruhige und entspannte Stimmung verantwortlich sind?
Die Albesel
Wäre durchaus möglich- erklärt mir Melanie Hetz. Besitzerin, Initiatorin und Chefin der Albesel. Sie schwärmt von den Tieren, denen immer noch – völlig zu Unrecht- negative Eigenschaften nachgesagt werden: Faul seien sie und störrisch. Das sei aber nur eine Sicht auf die Dinge. Wer sich genauer mit den Tieren beschäftigt, versteht ihr Verhalten und sieht es ganz anders: Sicherheit, Ruhe, Intelligenz, Schauen was los ist- keine kopflose Flucht; anders als beim Pferd.
Melanie war schon immer fasziniert von den liebenswerten Tieren. Ein Traum wäre es, zwei Esel zu besitzen. Ganz privat, nur für sich- ohne an Eselwanderungen oder ähnliches zu denken. 2012 erfüllte sich der Wunsch und Peterle und Paulchen zogen in Hossingen ein. Beide waren sie gerade mal ein Jahr alt; lieb, frech und wundbar- eine Erziehung hatten sie aber noch nicht genossen. Nun, man wächst bekanntlich mit seinen Aufgaben. Ein Eseltraining wird gebucht und neben Peterle und Paulchen auch Papa Henry Herter eingepackt; eigentlich, damit die Teilnehmerzahl beim Seminar erfüllt ist. Aber: der Funke springt über, ebenso wie die Erkenntnis, dass es im Tandem einfach besser läuft. Seitdem streiften die vier zusammen über die schönsten Wege und Hochflächen um Hossingen herum. Und wurden dabei immer öfter angesprochen, besonders groß war die Nachfrage am Schäferfest in Onstmettingen. Die meisten Besucher:innen wären am liebsten sofort mit den friedlichen Hauseseln losgezogen. „Sollen wir es probieren?“ fragten sich Melanie und ihr Papa. Zum Glück lassen sie sich auf fast alles ein – und die Esel sowieso. Also werden 2018 alle Vorgaben geklärt, die Homepage und Flyer entworfen, erste Angebote veröffentlich. Seitdem gibt es fast kein Halten mehr. Außer bei den Eseln. Die bleiben im Zweifelsfall lieber stehen.
Paulchen, der braune Esel, ist der größere von beiden- und der mutigere. Er traut sich mehr und geht meistens vorne draus und beschaut neugierig alles Unbekannte. Peterle ist etwas vorsichtiger und bei Neuem auch zurückhaltend. Frech seien sie beide, zum Glück kann keiner lange sauer sein; bestimmt auch, weil sie nichts aus Bösartigkeit anstellen.
Im Eseltempo unterwegs
Etwa 3–4-mal pro Woche sind die Albesel unterwegs. Das Angebot enthält Eselwanderungen von ca. 4h inklusive Pause und Vesper oder auch „nur“ 2,5-stündige Eselspaziergänge durch etwas weniger anspruchsvolles Gelände. Die Spaziergänge werden gerne gebucht, wenn jüngere Kinder mit dabei sind. Außerdem können sie ganzjährig stattfinden. Auch hier ist ein kleines Vesper mit dabei. Beide Veranstaltungen finden in kleineren, privaten Gruppen statt. Etwa 2 bis 8 Personen seien ideal; denn es braucht Zeit, damit alle die Esel führen können. Nicht nur kurz den Strick von Hand zu Hand geben, sondern sich in Ruhe auf das Tier einlassen, mit ihm in Kontakt kommen. Außerdem kann auf die Bedürfnisse und Wünsche kleinerer Gruppen natürlich leichter eingegangen werden. Und bei schlechtem Wetter steht sogar ein gemütlicher Bauwagen für den kulinarischen Teil zur Verfügung.
Die Esel-Genuss-Auszeit kann ebenso individuell gebucht werden. Paare machen dies gerne, oder Freundesgruppen. Abends, in Richtung Sonnenuntergang. Das Vesper besteht hier u.a. aus verschiedenen Käsesorten und dem Apfel-Tzecco aus der Manufaktur „Treiber und Zahner“ in Oberdigisheim.
Zweimal jährlich gibt es das Esel-ApfelTzecco-Erlebnis auch öffentlich. Im Frühjahr und im Herbst wird in einer großen Gruppe gewandert und verköstigt. Ab und zu werden Spaziergänge auch über die VHS angeboten.
Manchmal geht es sogar auf den Traufgang „Ochsenberg-Runde“. Dann müssen die Esel erstmal verladen werden. Manchmal klappt das. Bei Peterle nicht immer. Dann wird Melanie nervös. Dann klappt das Verladen noch weniger. Am besten sei es, wenn ihr Sohn Johannes den Esel dann in den Hänger führt, erzählt Melanie. Und sie und ihre Aufregung weiter weg sind. Auf dem Weihnachtsmarkt in Ebingen verlief alles zunächst problemlos, dann kommt auf dem Rückweg der Anhänger in Sicht. Und Peterle steht. Paulchen wartet geduldig, jemand holt eine Karotte aus einer Gaststätte. Peterle steht immer noch. Die Nerven liegen blank. Peterle steht. Warum auch nicht? Bei seinen Menschen wächst die Verzweiflung. Nach zwei Stunden beharrlichen Stehens läuft er urplötzlich in den Wagen. Inzwischen kann Melanie darüber lachen.
Bei einer Tour am Ochsenberg ist dann übrigens eine Wandererin einfach mit Peterle in den Anhänger gelaufen. Die wusste von den Verladeproblemen nichts, hat sich keine Gedanken gemacht. Und Peterle dann vermutlich auch nicht.
Die großen und kleinen Eselfans kommen gerne- auch aus der Stuttgarter Umgebung und sogar aus der Heilbronner Ecke. Ganz viele sind dabei, die Ruhe und Ausgleich suchen. Und die springt bei einer Eselwanderung irgendwann über. Denn die Esel mögen weder Hektik noch Druck. Damit kann man bei ihnen nichts erreichen- oder maximal das Gegenteil. Sie bleiben dann stehen. Anders als Pferde sind Esel keine Fluchttiere. Sie bleiben ruhig und denken erstmal über die Situation nach. Deswegen kann man auch gefahrlos hinter den Eseln herumlaufen. Dann drehen sich erstmal die Ohren, der Blick bleibt vorne. Durch das gute Gehör wissen sie schnell Bescheid, was hinter ihnen passiert. Und ob es eine überhaupt eine Reaktion wert ist.
Wer kann mit?
Eselwanderungen sind für alle da, die einigermaßen geländegängig sind. Wobei Melanie und ihr Team auch flexibel sind- mit einer Rollstuhlfahrerin waren sie auch schon unterwegs. Überhaupt wird vieles möglich gemacht: Ganz besonders schön sei ein Junggesellinnenabschied gewesen. Die Braut selbst ist ein riesengroßer Eselfan und wurde von ihren Freundinnen damit überrascht. Da flossen die Freudentränen schon gleich zu Beginn. Dann gab es noch ein Kind, dass sich zur Kommunion partout eine Eselwanderung wünschte. Kein Sitzen in der Gaststätte, sondern raus in die Natur. Eine große Tour von 4h sind sie an diesem Tag gelaufen und alle konnten mit- auch diejenigen, die sich diese Art des Feierns zunächst nicht vorstellen konnten.
Skeptiker seien ab und zu mit dabei. Die halt mitkommen, weil der/die Partner:in oder die Freundesgruppe es sich wünscht. Peterle und Paulchen juckt das nicht. Sie überzeugen trotzdem. Mit ihrem Charakter, ihrem Tempo, ihrem ganzen sympathischen Wesen. Jeder will es dann doch mal probieren, die beiden zu führen. Es gab noch niemanden, der sich dem Esel verweigerte.
Und sonst so?
Sind Peterle und Paulchen immer draußen, entweder im Offenstall oder auf der Weide. Manchmal unternehmen sie auch Spaziergänge ohne fremde Mitwanderer. Bodenarbeit ist ebenfalls wichtig: Mit Hindernissen oder dem Flatterband wird geübt, sich auf unbekannte Situationen einzulassen. Außerdem brauchen die beiden die Beschäftigung für ihren Kopf, sonst wird ihnen langweilig und dann wird Blödsinn angestellt.
Mal was anderes waren die Fotoshootings, bei denen die beiden dabei sein dürften. Neben den menschlichen Models haben auch die beiden Albesel keine schlechte Figur gemacht.
Gerne darf es so weitergehen, denn mehr geht inzwischen fast nicht mehr. 30-35 Jahre kann ein Esel alt werden. Da bleibt zu hoffen, dass Peterle und Paulchen noch viele gesunde Eseljahre auf der Schwäbischen Alb vor sich haben!
Autorin: Simone Haas
Melanie Hetz
Laufener Weg 14
72469 Meßstetten-Hossingen.
Telefon: 017642612494
E-Mail: info@albesel.de
Internet: www.albesel.de
Buchbare Angebote:
- Eselwanderung: ca. 4h; ab 52 Euro pro Erw.; inkl. Vesper und Getränke
- Eselspaziergang: ca. 2,5h; ab 32 Euro pro Erw., inkl. Vesper und Getränke
- Eselrunde auf dem Traufgang „Ochsenbergtour: ca. 2,5-3h; ab 60 Euro pro Erw.; inkl. Vesper und Getränke
- Esel-Genuss-Auszeit: beginn: 17.00 Uhr; ca. 3h; 55 Euro pro Person; inkl. Vesper mit verschiedenen Käsevariationen und Apfel-Secco
Darüber hinaus sind Veranstaltungen nach individueller Absprache möglich.





