Impulsgeberin zwischen Tradition und Zukunft

Bürgermeisterin Marion Maier

Autorin: Jasmin Lutz

Dotternhausen steht für eine gelungene Verbindung aus Tradition und Fortschritt: Bürgermeisterin Marion Maier beschreibt die Gemeinde als bodenständig, gemeinschaftlich und zukunftsorientiert. Mit Projekten wie dem neuen Bauhof, der Digitalisierung und nachhaltigen Energielösungen gestaltet sie aktiv die Zukunft – mit dem Ziel, den Ort modern und zugleich lebenswert für alle zu halten. Im Interview spricht die Bürgermeisterin über ihren Weg ins Amt, zentrale Projekte der vergangenen Jahre und ihre Ziele für die Zukunft.

Frau Maier, wie würden Sie Dotternhausen jemandem beschreiben, der die Gemeinde noch nicht kennt? Und was macht Dotternhausen besonders lebenswert?

Steffen Jäger vom Gemeindetag hat einmal gesagt, Kommunen seien „Orte der Wahrheit“. Dieser Satz ist mir im Gedächtnis geblieben und er trifft zu. Ich plane gerne. Doch Dotternhausen ist für mich genau diese Mischung, die sich nicht planen lässt: bodenständig, aber keineswegs stehen geblieben. Wer hier ankommt, sieht zuerst unseren Hausberg, den Plettenberg. Er gehört einfach dazu. Für viele ist er mehr als nur Landschaft – er ist ein fester Bezugspunkt, ein Ort der Kraft. Innovation, die auf Tradition aufbaut, ist hier kein Schlagwort, sondern gelebte Realität. Mit knapp 1.900 Einwohnerinnen und Einwohnern ist Dotternhausen überschaubar. Man kennt sich, zumindest vom Sehen. Die Wege sind kurz, vieles lässt sich schnell und unkompliziert klären. Gleichzeitig ist alles vorhanden, was man im Alltag braucht: eine verlässliche Grundversorgung mit Bäckerei, Metzgerei, Bank und Vollsortimenter. Und auch Arbeitsplätze gibt es vor Ort – in einer gesunden Mischung aus Handwerk und Industrie.

Welche Projekte oder Entwicklungen der letzten Jahre erfüllen Sie besonders mit Stolz?

„Stolz“ ist nicht ganz mein Wort. Aber ich sehe, was wir alles geschafft haben. Und das freut mich. Die Sanierung des Friedhofs war ein solches Projekt. 1,2 Millionen Euro sind viel Geld, doch es ging dabei um weit mehr als nur Wege und Anlagen. Ziel war es, einen würdigen Ort zu schaffen, der inzwischen auch als parkähnliche Anlage mit zahlreichen Sitzgelegenheiten wahrgenommen und genutzt wird. Gleichzeitig sollte die St.-Anna-Kapelle wieder stärker in den Mittelpunkt rücken und ihre Wirkung entfalten können.

Ein weiteres Beispiel ist der neue Bauhof, der seit Sommer 2025 in Betrieb ist. Natürlich handelt es sich zunächst um ein funktionales Gebäude – zugleich ist er aber auch eine Visitenkarte der Gemeinde. Er steht für unsere Arbeitsweise: klar, modern, verlässlich und strukturiert. Gleichzeitig bringt er große praktische Vorteile, da der Bauhof zuvor auf mehrere Standorte verteilt war. Der zentrale Neubau schafft nun außerdem Raum für andere Nutzungen, etwa für Feuerwehr und Kita.

Ein drittes großes Thema ist die Digitalisierung. Sie klingt auf den ersten Blick trocken, war und ist jedoch ein echter Kraftakt für das Verwaltungsteam. E-Akten und ein Dokumentenmanagementsystem im Rathaus, neue Fachverfahren auf den Rechnern, Tablets im Gemeinderat inklusive Ratsinformationssystem sowie ein digitales Zutrittssystem in den gemeindlichen Einrichtungen – all das wurde umgesetzt. Heute läuft dieses System stabil und zeigt Wirkung: Die Abläufe sind einfacher, effizienter und transparenter geworden.

Sie tragen Verantwortung für die Entwicklung Ihrer Gemeinde in einer Zeit des Wandels. Was motiviert Sie täglich, diese Aufgabe mit so viel Engagement anzugehen?

Ich habe die Verwaltung von der Pike auf gelernt. Besonders prägend war die Corona-Zeit zu Beginn meiner Amtszeit. Damals wurde sehr schnell deutlich, wie entscheidend ein funktionierendes Zusammenspiel zwischen Verwaltung, Gemeinderat und Bürgerschaft ist. In den Gemeinden sieht man unmittelbar, welche Wirkung Entscheidungen entfalten – das unterscheidet die kommunale Ebene deutlich von vielen anderen Bereichen. Mich reizt genau das: Dinge wirklich gestalten zu können. Nicht alles, aber vieles. Nicht immer in der gewünschten Form, aber innerhalb eines klaren gesetzlichen und finanziellen Rahmens. Und oft sind es dabei gar nicht nur die großen Projekte. Natürlich ist ein Bauhof wichtig und sichtbar. Ebenso bedeutsam sind jedoch die vielen kleineren Schritte – wenn Abläufe einfacher werden oder der Alltag besser funktioniert, auch wenn vieles davon im Hintergrund bleibt oder im Idealfall nie gebraucht wird, etwa im Brand- und Zivilschutz. Dazu gehören das erste HLF20 im Zollernalbkreis, neue digital vernetzte Warnsysteme, innovativere Ansätze im Hochwasserschutz am Katzenbach oder aktuell technische Lösungen wie ein Sandsackersatzsystem. Das steht selten im Vordergrund, macht im Ernstfall aber den entscheidenden Unterschied. Ein weiteres Beispiel sind Straßensanierungen. Diese betrachten wir heute nicht mehr isoliert. Wenn eine Straße erneuert wird, werden gleichzeitig auch Wasser- und Abwasserleitungen mitgedacht und saniert. Das ist aufwendiger und oft weniger sichtbar, aber langfristig deutlich sinnvoller und am Ende auch wirtschaftlicher. Ich versuche, Struktur zu geben, ohne alles festzuzurren. Aus meiner Sicht braucht es beides: klare Orientierung und zugleich ausreichend Spielraum.

Die Erwartungen an kommunale Politik sind in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Wie gehen Sie mit diesem Druck und den unterschiedlichen Interessen in der Bürgerschaft um?

Ich orientiere mich an dem, was belastbar ist: Zahlen, Gutachten und klare Planungen. Das gibt Halt, auch wenn es einmal unruhig wird. Ab 2026 werden wir ein strukturelles Defizit haben – das lässt sich nicht wegreden. Deshalb sprechen wir das offen an und setzen klare Prioritäten. Alles gleichzeitig umzusetzen ist nicht möglich. Wissen und fachliche Grundlage sind dabei zentrale Bausteine. Nach der Kommunalwahl 2024 hat sich der Gemeinderat in großen Teilen neu zusammengesetzt. Deshalb haben wir uns bewusst ein ganzes Wochenende Zeit genommen, um gemeinsam gut ins Arbeiten zu starten. In einer Klausur mit externer Unterstützung wurden Rechte, Pflichten und Grundlagen der Gremienarbeit intensiv beleuchtet. Das zahlt sich bis heute aus: Die Gemeinderäte bringen ihre vielfältigen beruflichen Erfahrungen strukturiert ein. Die Diskussionen sind lebendig, aber zugleich fundiert. Unterschiedliche Meinungen sehe ich dabei nicht als Problem, sondern als Teil des Prozesses. Entscheidend ist, dass am Ende eine Entscheidung steht, die nachvollziehbar ist und von der Mehrheit getragen wird. Und ja – Fairness ist mir wichtig. Gleiche Maßstäbe für alle, ob Verein oder Einzelanliegen. Ohne diesen Grundsatz funktioniert kommunale Arbeit nicht.

Themen wie Klimaschutz und Nachhaltigkeit gewinnen auch auf kommunaler Ebene an Bedeutung. Welche Maßnahmen planen Sie in diesem Bereich konkret? Und welche Rolle spielt das Fossilienmuseum „Werkforum“ und der UNESCO Geopark für die Gemeinde?

Nachhaltigkeit ist für uns kein abstrakter Begriff, sondern zeigt sich in ganz konkreten Entscheidungen. So werden wir voraussichtlich noch in diesem Monat dem Klimapakt Baden-Württemberg beitreten. Parallel dazu wurde die kommunale Wärmeplanung auf den Weg gebracht, ebenso wie ein Transformationsplan für unser Nahwärmenetz. Dieses versorgt bereits heute zahlreiche Gebäude und spart jedes Jahr erhebliche Mengen CO₂ ein. Ein weiteres konkretes Projekt ist die Straßenbeleuchtung, die in den vergangenen Jahren schrittweise auf LED-Technik umgestellt wurde. Der letzte Abschnitt in Dotternhausen West steht nun an. Das sind keine spektakulären Vorhaben, aber sie wirken im Zusammenspiel als wichtige Bausteine. Ergänzend hat die Energieagentur für die drei größten Energieverbraucher in unseren gemeindlichen Einrichtungen sogenannte Gebäudesteckbriefe erstellt. Diese Aufgabe werden wir nun strukturiert angehen. Das Werkforum ist nochmal ein anderer Blickwinkel. Die dort ausgestellten Fossilien sind rund 180 Millionen Jahre alt – das relativiert vieles. Man bekommt ein Gefühl dafür, in welchen Zeiträumen sich Veränderungen tatsächlich vollziehen. Das Museum verbindet, wie Dotternhausen selbst, Tradition und Innovation und zieht jährlich rund 15.000 Besucherinnen und Besucher aus aller Welt an. Und genau das passt zu uns: ein Stück Geschichte, das zeigt, dass Entwicklung immer dazugehört. Es erinnert uns daran, dass wir auf einer langen Vergangenheit stehen und gleichzeitig den Blick konsequent nach vorn richten müssen.

Welche Botschaft möchten Sie Bürgerinnen und Bürgern sowie potenziellen Neubürgern mitgeben?

Meine Botschaft ist einfach: Dotternhausen ist zwar klein, aber wir leisten Großes. Wir bieten eine funktionierende Gemeinschaft, in der Ehrenamt und Vereine den sozialen Zusammenhalt tragen. Wer hierherkommt, findet nicht nur eine idyllische Lage mit hohem Freizeitwert am Plettenberg, sondern auch eine moderne Infrastruktur, eine gesicherte Grundversorgung und attraktive Arbeitsplätze. Durch unsere verkehrsgünstige Lage an der B 27 zwischen Balingen und Rottweil sind wir wirtschaftlich gut angebunden und profitieren in besonderem Maße von dieser Stärke. Wir sind resilient, weil wir zusammenhalten und mutig in unsere Zukunft investieren – sei es in die Kinderbetreuung, in Infrastruktur oder in die digitale Verwaltung. Ich lade daher alle ein, Teil dieser lebendigen Gemeinschaft zu werden. Wir gestalten hier gemeinsam einen Ort, der modern denkt und seine Wurzeln nicht vergisst. Und doch gilt am Ende: Man kann hier vieles erleben – man muss es aber selbst erleben.

Vielen Dank, Frau Maier, für Ihre Offenheit und die Einblicke in Ihre Arbeit.