Dach neu gedac„Hey, Boy, Go out and Play and Teach“
Wenn Jörg Bach heute durch die hellen, klimatisierten Räume seiner Schlagzeugschule in Balingen geht, vorbei an perfekt gestimmten Drumsets, hochwertigen Becken und sorgfältig eingerichteten Unterrichtsräumen, dann wirkt alles selbstverständlich. So, als hätte es nie einen anderen Weg geben können. Doch der begann nicht in einem Musikhochschulsaal – sondern an Kochtöpfen.
Schon als Kleinkind trommelte Jörg auf allem, was Geräusche machte. Töpfe, Gebrauchsgegenstände, alles wurde zum Instrument. In seiner Familie gab es keine Musiker, aber Musik war immer präsent. Besonders faszinierten ihn die großen TV-Shows der damaligen Zeit: Big Bands, Glamour, und irgendwo im Hintergrund – die Schlagzeuger hinter glitzernden Drumsets. Dort wollte er hin.
Seine erste „Ausbildung“ erhielt er im Musikverein Truchtelfingen. Der Dirigent versuchte, ihm Schlagzeugunterricht zu geben – vergeblich. Schließlich sagte er einen Satz, der rückblickend fast sinnbildlich wirkt: „Setz dich einfach nach hinten und spiel mit.“ Jörg spielte. Und lernte. Autodidaktisch, neugierig, unbeirrbar.
Während andere in einer Jugendkapelle saßen, landete er in der Jugend-Big-Band. Ein Schlüsselmoment kam mit elf oder zwölf Jahren: Im Fernsehen lief die „Glenn Miller Story“. Dort sah er Gene Krupa – den Mann, der das Schlagzeug aus seinem Schattendasein im Hintergrund der Bühne ins Rampenlicht „trommelte“. Unterbewusst war klar: Das ist es.
Es folgten Jahre des Tingelns durch Kapellen und Bands der Region. Sein erster „echter“ Schlagzeuglehrer wurde Christian Baumgärtner, ein Jazzmusiker, mit dem Jörg großes Glück hatte. In Albstadt durfte er mit hervorragenden Jazzmusikern spielen, in Tanz- und Jazzkapellen Erfahrungen sammeln – viel Bühne, viel Praxis. Der Wunsch, Musik professionell zu machen, war da.
Baumgärtner sagte irgendwann: „Du musst in die USA.“ Jörg wollte. Doch das Leben hatte andere Pläne. Nach Abitur und Bundeswehr starb sein Vater. Orientierung war gefragt. Also erst einmal „etwas Gescheites lernen“. Jörg absolvierte eine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann im Musicland in Tailfingen – mitten in einer Zeit, in der das Schlagzeug Ende der 80er einen regelrechten Boom erlebte.
Und genau dort passierte etwas Entscheidendes: Bei Auftritten und im Laden wurde er immer wieder gefragt: „Kannst du mir mal was zeigen?“ Schon während seiner Verkäuferzeit unterrichtete er abends drei bis vier Schüler und lernte Jim Chapin kennen, eine Legende der Schlagzeugpädagogik. Die Chemie stimmte sofort. Chapin – der zeitlebens Jörgs Freund und Mentor blieb – sagte einen Satz, der Jörgs Leben prägen sollte: „Hey boy, go out, play and teach.“
Ohne formales Musikstudium? Zweifel waren da. Trotzdem sprang Jörg Anfang der 90er ins kalte Wasser. 1992 gründete er Drum Coaching – zunächst in einem Kellerraum einer Textilfabrik in Tailfingen. Der Zulauf war von Anfang an enorm. Parallel spielte er weiter in Bands, unter anderem in seinem eigenen Jörg Bach Jazz Trio. Unterricht, Zusammenarbeit mit namhaften Instrumentenherstellern, Auftritte – es war eine intensive, großartige Zeit.
Die Schule zog innerhalb Tailfingens um. Jörg lernte Heike Strobel kennen. Als Sängerin und musikalische Partnerin teilte sie nicht nur privat, sondern auch künstlerisch Jörgs Leidenschaft für Musik. Gemeinsam standen sie mit „Sugar and the Candyband“ sowie Jazzformationen auf der Bühne, die weit über die Region hinaus ihr Publikum fanden. Die Bands waren und sind für Jörg mehr als nur Musikprojekte. Sie sind Ausdruck dessen, was ihn antreibt: mit Spielfreude gute Musik zu machen, die Menschen erreicht, berührt und Energien freisetzt.
Die Zukunft rückte demnach in Richtung Balingen. Auf Gehrn mietete er sich ein, und als der Mietvertrag auslief, setzte Jörg Bach 2009 einen weiteren Meilenstein: den Bau des heutigen Gebäudes. Was hier entstand, ist bis heute außergewöhnlich: Das einzige Gebäude in der Region – und weit darüber hinaus –, das ausschließlich als Schlagzeugschule gebaut wird, außerhalb des Hochschulbereichs.
240 Quadratmeter, durchdacht bis ins Detail. Keine abgetrommelten Felle, keine Kompromisse. Helle Räume, hochwertiges Equipment, perfektes Ambiente. Eine Traumlocation für Schlagzeuger. Dazu beste Anbindung, Parkplätze, Nähe zu Einkaufsmöglichkeiten – ideal auch für Eltern.
Viele Jahre arbeiteten hier an fünf Tagen zwei Lehrer parallel. Die Pandemie hinterließ Spuren, Kollegen gingen andere Wege. Seit Ende 2022 unterrichtet Jörg allein – rund 50 Schüler, Woche für Woche.
Der Fokus liegt klar auf Einzelunterricht. Gruppenunterricht, sagt Jörg, sei eher eine Idee von Gemeinderäten als von Musiklehrern. Der Einstieg ist meist ab etwa acht Jahren möglich, Ausnahmen bestätigen die Regel. Besonders freut er sich über Teenager: „Da ist der Weg zur ersten Band nicht mehr so weit.“ Die älteste Schülerin derzeit ist aber über 60. Immer mehr Menschen erfüllen sich spät einen Lebenstraum und starten mit dem Schlagzeugunterricht.
Drumset-Unterricht bildet bei Jörg Bach den Kern. Technik, Koordination, Stilistiken. Die Grundlagen sind immer dieselben – egal ob Gospel, Jazz oder Heavy Metal. Rockdrummer üben Latin- und Jazzpatterns, weil sie koordinativ weiterbringen. Jörgs Anspruch: Seine Schüler sollen sich überall zurechtfinden, in Workshops, Bands, späteren Ausbildungswegen. Als Autodidakt weiß er genau, welche Fehler man vermeiden sollte.
Im Percussionbereich ist Jörg ein gefragter Dozent für Cajon. Das Drum Coaching Cajon Ensemble war 2007 das erste seiner Art bundesweit. Unterricht soll Spaß machen – aber der Weg ist Arbeit. Und auch wenn KI und Technik vieles verändern: Menschen werden immer live spielen. Davon ist Jörg überzeugt.
Was macht Jörg Bach heute? Also neben dem täglichen Unterricht. Er steht weiterhin auf der Bühne. Er müsse nicht mehr in jeder „Baiz“ spielen, suche sich seine Gigs bewusst aus. Jazzkonzerte mit 100 bis 250 Menschen, die man wirklich erreicht – diese Abende geben ihm viel. So ist er u.a. bei der Hammond Jazz Night Band in Schramberg bis heute der House Drummer. Die Bühne gehört also weiterhin zu Jörg Bachs Leben einfach dazu. Seit über 34 Jahren lebt Jörg Bach Unterricht und Auftritte gleichermaßen. Manche Schüler begleiten ihn seit 20 Jahren – und noch immer entdecken sie gemeinsam Neues.
Und am Ende steht nochmals die Begegnung mit Jim Chapin und dessen berühmtem Satz. Der Amerikaner sollte also recht behalten. Jörg ging damals raus, spielte und unterrichtete. Und, er hat es geschafft, mitten im Zollernalbkreis – sozusagen in der (Schlagzeug-) Provinz – eine reine Schlagzeugschule über mehr als drei Jahrzehnte auf- und auszubauen und viele Schüler mit zum Erfolg zu führen – mit Leidenschaft, Qualität und Haltung.
Und, wenn man bei Jörg wie wir zu Besuch war, weiß man: er ist noch lange nicht am Ende.
drumcoaching Jörg Bach | Schlagzeugschule
Im Rohrbach 9 | 72336 Balingen-Frommern
Tel.: +49(0)7433 930 007 | info@drumcoaching.de
www.drumcoaching.de





