Die Idee im Lenker

Wie Bianca Bondrea und Andreas Plankenhorn den Fahrradmarkt neu denken

Der Zollernalbkreis hat eine gewisse Tradition: Hier entstehen immer wieder Ideen, die aus Tüftelei, echte Produkte machen. Keine großen Inszenierungen, sondern Lösungen, die aus dem Alltag heraus gedacht sind.

In der Technologiewerkstatt in Tailfingen treffen wir Bianca Bondrea und Andreas Plankenhorn. Zwei Gründer, die genau in diese Tradition passen. Pragmatismus, Bodenständigkeit und der klare Wille, etwas besser zu machen. In ihrem Fall ist das Thema Fahrradschloss. Seit geraumer Zeit erobert „Lenklock“ nicht nur die Fahrradmessen, sondern ist auch bei immer mehr Händlern und Radfahrern im Gespräch.

Der Ursprung: Wenn der Bäckerbesuch zum Ideengeber wird

Am Anfang eines Start-ups steht meist die Frage: Wie kommt man überhaupt auf eine solche Idee? Was ist der Auslöser, etwas Neues zu wagen und zum Problemlöser zu werden? Die Geschichte von Lenklock klingt überraschend banal.

Eine Radtour. Ein kurzer Stopp beim Bäcker. Und das Problem, das viele kennen: Einer muss draußen bleiben und auf die Räder aufpassen. Zu wertvoll. Zu unsicher. Zu umständlich. „Warum gibt es eigentlich kein Schloss, das man einfach immer dabei hat – ohne dass es stört? Diese Frage habe ich mir immer öfter gestellt“, erzählt Bianca Bondrea. Denn wer regelmäßig fährt, kennt das Dilemma: Gute Schlösser sind schwer, sperrig oder unpraktisch. Und wer sein Bike optimiert, will sich genau diesen Ballast eigentlich sparen. Die Antwort der beiden Gründer liegt – im wahrsten Sinne – direkt vor ihnen: im Lenker. „Der ist doch hohl. Warum nutzt man den Platz nicht?“

Aus dieser Überlegung entsteht Lenklock – ein Fahrradschloss, das im Lenker verschwindet und genau dann verfügbar ist, wenn man es braucht. Keine Halterung am Rahmen. Kein Klappern. Kein Nachdenken, ob man das Schloss eingepackt hat. Einmal integriert, bleibt es dort. Unsichtbar. Immer dabei.

Das System selbst ist bewusst einfach gehalten: Ein im Lenker verbauter Anker, ein rund 130 cm langes Sicherheitskabel und ein integriertes Zahlenschloss. Kein Schlüssel, keine zusätzliche Tasche – herausziehen, anschließen, fertig. Gerade diese Einfachheit macht den Unterschied. Lenklock löst mehrere Probleme gleichzeitig:

  • Es ist immer dabei, weil es Teil des Fahrrads ist
  • Es ist extrem leicht und stört nicht beim Fahren
  • Es ist sofort griffbereit
  • Es funktioniert ohne Schlüssel
  • Und es ist integriert statt angebaut

Gedacht ist das System bewusst für den Alltag: den schnellen Stopp beim Bäcker, die Pause auf der Tour, den kurzen Besuch im Café. Also genau die Situationen, in denen klassische Schlösser oft fehlen – oder zu umständlich sind.

Regionalität als DNA: Mehr als nur „Made auf der Alb“

Parallel zur Produktentwicklung verfolgen Bondrea und Plankenhorn einen klaren Anspruch: Möglichst viel Wertschöpfung in der Region zu halten. So viel wie möglich entsteht auf der Schwäbischen Alb – von Komponenten über Montage bis hin zur Verpackung. Kurze Wege, enge Abstimmung mit lokalen Partnern und ein hoher Qualitätsanspruch sind dabei zentral.

Nur dort, wo es technologisch nicht anders möglich ist, wird international zugekauft. „Made auf der Alb“ ist damit kein Schlagwort, sondern Teil der DNA des Produkts. Und dieser Ansatz passt zur Idee selbst: reduzieren statt überladen. Kein Akku, keine App, keine unnötige Technik – sondern eine Lösung, die im Alltag schlicht funktioniert. Die Vision der beiden Gründer geht deshalb weiter: Das Fahrradschloss nicht mehr als Zubehör zu sehen, sondern als festen Bestandteil des Fahrrads. Integriert. Selbstverständlich. Vielleicht eines Tages direkt ab Werk verbaut.

Aber wer Bianca Bondrea und Andreas Plankenhorn in Tailfingen gegenübersitzt, merkt schnell: Hier geht es nicht um einen kurzfristigen Trend, sondern um eine Idee, die aus einem echten Problem entstanden ist – und sich nach nur zwei Jahren nun langsam aber sicher im Markt etabliert. „Mit unserer ersten Tranche sind wir wirklich ganz klassisch ins Auto gesessen, einer nach Norden, einer nach Süden gefahren – und haben quasi Kaltakquise betrieben“, erinnern sie sich. „Im Prinzip geht es darum, das Produkt zu verstehen und den praktischen Nutzen beim Händler und beim Endverbraucher darzulegen. Das haben wir in der Kürze der Zeit schon gut ins Rollen gebracht.“ Die Rückmeldungen auf den wichtigsten Rad-Messen bestätigen diesen Weg. Neben den lokalen Radhändlern gehören mittlerweile auch zwei der wichtigsten Großhändler der Branche zum Netzwerk von Lenklock.

Es ist diese Mischung aus schwäbischem Tüftlergeist und dem Auge für das Wesentliche, die Lenklock so besonders macht. Bianca Bondrea und Andreas Plankenhorn haben kein komplexes High-Tech-Gadget erfunden, sondern eine Lösung für ein alltägliches Ärgernis – und das direkt vor der eigenen Haustür. Wer ihnen heute zuhört, spürt: Hier geht es nicht um schnellen Ruhm, sondern um den Anspruch, Radfahren ein Stück unkomplizierter zu machen. Ein kleines Stück Heimat, das mittlerweile in immer mehr Fahrradlenkern steckt – und genau dort auch hingehört.

Weiter Infos unter www.lenklock.de