Das Natur-ErlebnisZentrum

Autorin: Simone Haas

Stimmengemurmel kommt mir entgegen, als ich die bunte Tür vom NaturErlebnisZentrum in Oberdigisheim öffne. Ich hätte es mir lauter vorgestellt. Aber die Viertklässlerinnen und – klässler der Schmidener Grundschule arbeiten konzentriert. Und sind echte Vollprofis, was einen Vormittag im NaturErlebnisZentrum betrifft: „Wir sind schon das dritte Mal hier“, wird mir erklärt.

Heute, in der „Solarwerkstatt“, sei die Aufgabe schon am anspruchsvollsten: viele Arbeitsschritte, unterschiedliches Material und einige technische Feinheiten sind zu beachten. Die Kinder dürften wählen, ob sie ein kleines, solarbetriebenes Windrad bauen oder ein SolarAuto. Die überwiegende Mehrheit sitzt am Windrad. Zwei Mädchen und Schulleiter Matthias Wehrle haben sich an den Bau eines Autos gewagt. „Mein Papa fährt ein Elektroauto“, verrät mir die eine Schülerin. Die andere erzählt, ihre Schwester sei auch schon hier gewesen und habe ein Auto gebaut. Motivation genug, es ihr gleichzutun. Beide arbeiten konzentriert und zielstrebig und bald sind die Autos fertig, der Propeller läuft, die erste Probefahrt ebenso. Letzte Station: Dekoration. Bunte Klebebänder machen die Autos endgültig zu Unikaten. Zufrieden? Die beiden nicken: „Wenn man was Schwieriges geschafft hat, ist man richtig stolz auf sich!“

Das Solarauto von Schulleiter Wehrle steht noch undekoriert herum. Hier und da wird Unterstützung gebraucht. Und gerne gewährt. Die anwesenden Lehrkräfte und die beiden Stiftungsmitarbeitenden – Alexandra Kischkel-Bahlo und Hannes Schurr- sind mittendrin und voll dabei. Fragen werden geduldig beantwortet, der ein oder andere Draht zurecht gebogen, Tipps gegeben und ermutigt, die Funktionstüchtigkeit zu testen. Damit die Solarplatte funktioniert, braucht es Licht. Das gibt’s heute zum Glück draußen. Nach und nach huschen die Schülerinnen und Schüler raus, halten ihr Bauwerk Richtung Sonne und ja: die Propeller drehen sich. Alles richtig gemacht! Noch etwas Dekoration. Und Zeit für die ein oder andere Frage: Letztes Mal waren sie zur „Flugwerkstatt“ da und haben einen Bumerang gebaut. Der Vormittag heute sei der beste Besuch bisher gewesen. Wobei ein Mädchen einwirft, dass sie ebenso gute Erinnerungen an die Bachwanderung habe. „Aber da wurden wir so nass“, kommt der Einwurf. „Eben!“ Fast am Ende der Veranstaltungen angekommen, geht’s allesamt nach draußen, zum Gruppenfoto. Ein kleiner Solar-Windpark entsteht zwischen NaturErlebnisZentrum und hauseigenem Garten. Die- inzwischen bunten- Windrädchen drehen sich munter. Die Kinder sind es auch, so dass das anschließende Gruppenfoto lustig und lebendig wird.

Es sind hauptsächlich Schulklassen und Kindergartengruppen, die die Angebote des NaturErlebnisZentrums nutzen, zusammen mit Erwachsene als Begleitpersonen. Dazu kommen noch offene Angebote, zu denen sich Einzelpersonen anmelden können: Von Naturkunstwerke herstellen über Vogelhäuschen bauen oder eine Weihnachtswerkstatt bis zu Filzen oder Schnitzen reicht das Spektrum. Im Schnitt sind es 180 Veranstaltungen pro Jahr, davon ungefähr die Hälfte im NaturErlebnisZentrum, die andere Hälfte deckt das Umweltmobil ab.

Die Stiftung Natur und Umwelt

1996 wurde die Stiftung Umwelt+Natur gegründet. Die Sparkasse Zollernalb ist Initiatorin der Gründung und stellte der Stiftung das Startkapital zur Verfügung. Inzwischen hat die Sparkasse Zollernalb das Stiftungskapital auf 2 Millionen Euro aufgestockt. Stiftungszweck ist die Förderung des Umweltschutzes, des Landschaftsschutzes und der Umwelterziehung sowie die Erhaltung und Bewahrung des lebenswerten Heimatraums Zollernalbkreis. Am Anfang gab es zunächst das Umweltmobil, seit 2004 auch das NaturErlebnisZentrum, um ein ganzjähriges Bildungsangebot zu gewährleiten. Die beiden Einrichtungen unterstützen die Auseinandersetzung von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen mit der Natur und sensibilisieren für ökologische Fragen. So werden gute Voraussetzungen geschaffen, dass Menschen im Zollernalbkreis verantwortungsbewusst mit ihrem Lebensraum umgehen.

Alexandra Kischkel-Bahlo leitet die Umweltstiftung. Die studierte Geowissenschaftlerin und Naturpädagogin liebt Vögel und nutzt jede Gelegenheit für die Beobachtung mit dem Fernglas. Und berichtet mir begeistert von den „Leuchtturmprojekten“. Drei Stück sind es- mindestens. Zum einen gibt es ein Ferienangebot „Ferien um Jurameer“ in Kooperation mit dem Werkforum und Fossilienmuseum der Holcim (Süddeutschland) GmbH in Dotternhausen. Dort tauchen naturinteressierte Kinder in die Erdgeschichte ein. Drei Tage lang werden Lebensräume im Zollernalbkreis erforscht und „Natur pur“ erlebt. 2018 wurde dieses Kooperationsprojekt „Ferien im Jurameer“ als offizielles UN-Dekade-Projekt ausgezeichnet. Im Juli findet traditionell die Bachwanderung statt. Mit Gummistiefeln geht’s durch die wilde Schlichem, irgendwo zwischen Tieringen und Ratshausen. Mit Kindern sei das einfach genial, denn, so verrät mir Alexandra Kischkel-Bahlo: „Kinder finden alles!“ Fossilien und Steinkrebse und Überraschendes: Beim dreitätigen Ferienprojekt „Kinderforschen wie Humboldt“ werden entsprechend den Forschungsmethoden Alexander von Humboldts Lebensräume erkundet und dokumentiert: Staudämme des Bibers vermessen, Pflanzenabdrücke genommen und Pflanzenzüchter angelegt. Und mitten im Gebüsch trafen die Kinder auf einen angefahrenen und schwer verletzten Fuchs. Kein Erwachsener hätte dort hingeschaut. Dank der Kinder konnte der zuständige Förster verständigt werden, der den Fuchs von seinen Qualen erlöste. Keine Bullerbü-Idylle, dafür echtes Naturerlebnis. Für 2026 sind fast alle Termine bereits vergeben- Bedarf ist da. Die Begeisterung ebenso.

Das Umweltmobil „Donnerkeil“

Schulklassen haben nicht nur die Möglichkeit, einen Vormittag im NaturErlebnisZentrum in Oberdigisheim zu verbringen, das NaturErlebnisZentrum kommt auch zu ihnen! Das Umweltmobil „Donnerkeil“ ist in den Sommermonaten, vom 1. April bis zum 31. Oktober im Zollernalbkreis unterwegs und dafür ausgelegt, verschiedene Lebensräume zu erkunden und die kleinsten Bewohner im Wald, auf der Wiese oder im Bach kennenzulernen: Insekten, Spinnen, Würmer, Schnecken und viele verschiedene Larven. Nach einer Einführung ins Thema geht es für alle richtig los: Ausgerüstet mit Fanggläschen, werden vorsichtig verschiedene Kleinlebewesen gesucht und eingefangen. Anschließend kommt die Technik des Donnerkeils zum Einsatz: Über die Mikroprojektionsanlage werden die Tiere für alle sichtbar präsentiert, bestimmt und erklärt. Und natürlich werden alle Tierchen danach wieder in die Natur entlassen! Der Name „Donnerkeil“ weist auf ein Kleinlebenwesen hin: Donnerkeile sind versteinerte Überreste sogenannter Belemniten – fossiler Kopffüßer. Sie lebten vor 358 bis 66 Millionen Jahren. Sie sind verwandt mit den heutigen Tintenfischen, hatten Fangarme, sowie einen Tintenbeutel. Heute können nur noch Teile von ihnen als Versteinerung bewundert werden.

Stiftunsgmitarbeiter Hannes Schurr ist studierter Pädagoge und fährt das Umweltmobil Donnerkeil. Die Leidenschaft des Ökologen sind In sekten und andere Krabbeltiere. Außerdem ist er in der Natur gerne mit der Kamera unterwegs. Zudem ist er von Anfang an mit dabei, seit bald 30 Jahren. Und hat bereits bei der inhaltlichen Ausrichtung der Stiftung Umwelt und Natur mitgearbeitet. Wie oft er wohl schon mit dem Umweltmobil zu Veranstaltungen gedüst ist? Da wird einiges zusammen kommen. Wann der „Donnerkeil“ zum ersten Mal im Einsatz war? Das müsse 1998 oder ´99 gewesen sein. An dieser Stelle ergibt sich ein wunderbarer Zufall: Ich (die Autorin) selbst war – vor vielen, vielen Jahren – als Schülerin einer 6. Klasse beim Umweltmobil dabei und es müsste einer der ersten Einsätze gewesen sein. Der Zeitungsartikel liegt noch im Album und datiert Oktober 1998. Darin wird auf das „erst kürzlich eingeweihte Ökomobil der Sparkassenstiftung“ hingewiesen. Ich erinnere mich an einen kühlen Herbsttag, der Artikel bestätigt es. Ebenso an einen herrlichen Vormittag in der Natur mit Krabbeltierchen- und Pflanzenbestimmung. Ich wünsche es den Schmidener Schüler:innen von ganzem Herzen, dass sie ihre Zeit mit dem NaturErlebnisZentrum mindestens genauso lange in guter Erinnerung behalten.

NaturErlebnisZentrum
Stiftung Umwelt + Natur. Eine Initiative der Sparkasse Zollernalb
Widumstraße 39 | 72469 Meßstetten | Tel.: +49(0)7433 137425
info@stiftung-umwelt-natur.de | www.stiftung-umwelt-natur.de